Systemrelevanz?

Freitag heißt, dass ich euch mal wieder einen Blogbeitrag schulde. Diesmal wird wieder gepöbelt, versprochen, denn es geht um ein Thema, das mir sowas von zum Hals raushängt:„Systemrelevante“ Künstler und Autoren.

Seit Beginn der Pandemie versuchen Autoren, Musiker und andere Künstler, sich bei der Politik Gehör zu verschaffen und auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Das habe ich lange Zeit unterstützt, da dieser Wirtschaftszweig tatsächlich anfangs praktisch nicht beachtet wurde und es nur wenige Alternativen für die Betroffenen gab, ihrem Beruf nachzugehen.

Ob für Künstler, Musiker und Autoren mittlerweile genug getan wird, darf diskutiert werden. Was mich persönlich an der Sache jedoch stört, ist die Art, wie zunehmend argumentiert wird, und die Arroganz, die damit oft einhergeht. Künstler seien systemrelevant. Künstler verdienen andere und vor allem mehr Aufmerksamkeit als alle anderen Berufszweige, die von der aktuellen Situation betroffen sind. Und ohne Künstler werde es still.

Ich sage es mal so: Nein, Künstler sind nicht systemrelevant. Künstler sind ein Luxus, den sich eine Wohlstandsgesellschaft leistet. So war es schon immer und so wird es auch immer sein. Ist ein Land nicht in der Lage, die Menschen zu ernähren oder zu beschützen, braucht es vieles, aber keine Künstler. Systemrelevant sind Ärzte, Polizisten, Krankenschwestern, Feuerwehrleute, Pflegepersonal und all jene, die im Verkauf und im Erhalt der Infrastruktur arbeiten. Das eben, was zum Funktionieren des Systems und zur Aufrechterhaltung eines einigermaßen uneingeschränkten Alltags notwendig ist.

Ich kann verstehen, dass viele Künstler vor dem Aus stehen und entsprechend frustriert sind. Ich selbst habe auch ein paar harte Monate hinter mir. Allerdings fehlt mir seit jeher die Begründung, warum Künstler besonders schutzbedürftig sind und sich nicht den Wirren und dem Auf und Ab einer freien Wirtschaft stellen sollen – in guten wie in schlechten Zeiten. Ich persönlich zumindest will kein staatlich alimentierter Schreiberling im quasi-öffentlichen Dienst sein, der nur auf Staates Gnaden hin arbeiten kann.

In meinen Augen gehört es zum Leben eines Künstlers (auch wenn ich mich seit jeher dagegen wehre, Autoren als Künstler zu bezeichnen) dazu, dass man auch solche Situationen übersteht und im Zweifelsfall die Arschbacken zusammenkneift und auf einen Job ausweicht, der einem auch mal keinen Spaß macht. Die meisten großen Autoren, Maler und Musiker der Geschichte haben in eher prekären Verhältnissen gelebt und sich mit anderen Dingen über Wasser gehalten.

Das sind jedenfalls meine fünf Cent zu dem Thema. Was meint ihr?

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