Ein paar Worte zu Verlagsautoren und Selfpublishern

Heute mal ein außerplanmäßiger Blogbeitrag, den ich so nicht geplant hatte. Es geht um das Verhältnis zwischen Selfpublishern und Verlagsautoren. Normalerweise äußere ich mich zu dem Thema sehr zurückhaltend und diplomatisch, weil mir die ganze Diskussion eigentlich Schnuppe ist. Eigentlich.

Vor ein paar Tagen habe ich den Fehler gemacht und mich einmal mehr auf eine Diskussion mit einem Verlagsautor eingelassen, nachdem ich mir lang und breit anhören durfte, wie minderbemittelt alle SP’ler eigentlich seien. Dass sie nur abgeklatschte Geschichten kopieren, keine Qualität, Innovation, Originalität oder sonst etwas liefern und nur versuchen würden, den Leser zu verarschen.

Mittlerweile brennt mir bei dem Thema die Hutschnur. Es gibt einen Grund, warum der deutsche Buchmarkt vor allem in der eBook-Sparte jedes Jahr teils zweistellige Marktanteile an Selfpublisher und Nischenverlage verliert: Genau diese überhebliche und herablassende Haltung vieler größerer Verlagsautoren und Verleger.

Der deutsche Buchmarkt hat es sich jahrzehntelang sehr bequem gemacht: Wer Lesen will, muss bei uns kaufen – Punkt. Seit es Amazon, BoD und andere möglich machen, innovative und originelle Geschichten auch abseits des Mainstreams zu publizieren und das Internet auch entsprechendes Marketing möglich macht, werden die Abwehrreaktionen immer schriller und verzweifelter.

Es erinnert mich immer an den Todeskampf eines verwundeten Tieres: Um sich beißen ohne Rücksicht auf Verluste, denn zu verlieren hat man eh nicht mehr viel.
Ich sage es ganz offen: Die allermeisten Verlagspublikationen hauen mich schon seit Jahren nicht mehr um, selbst damals, als ich noch nicht selbst geschrieben habe.

Innovative Geschichten kommen eh fast nur aus den USA oder Russland und deutsche Literaturkritiker feiern lebensferne Melodramen, die kaum jemand freiwillig lesen würde. Innovative Geschichten gibt es fast nur noch im Eigenverlagsbereich oder bei Kleinverlagen. Der Grund ist klar: Der deutsche Markt musste jahrzehntelang nicht kämpfen und wusste, dass der Leser frisst, was man ihm vorwirft, da es keine Alternativen gibt. Auch wer immer dieselbe Suppe aufwärmt, weiß, dass sie am Ende des Tages aufgegessen wird.

Man muss aber auch ganz klar sagen, dass viele Selfpublisher weder qualitativ noch innovativ genügende Bücher schreiben und damit wieder und wieder Futter für die Mühlen der Diskreditierung liefern. Ja, wer veröffentlichen will, muss gefälligst ein Lektorat, Korrektorat und einen halbwegs vernünftigen Buchsatz haben. Dann kommt er überhaupt erst mal auf ein Level, auf dem sich seine Geschichte und sein Stil kritisch vergleichen und bewerten lassen.

Trotzdem kotzt es mich an, wie schrill, verallgemeinernd und herablassend sich viele Verlagsautoren mittlerweile äußern. Daran merkt man in meinen Augen schnell, dass es ihnen weniger um Bücher und Geschichten geht, sondern vielmehr darum, sich darüber profilieren zu können, dass man ein Buch bei einem Verlag untergebracht hat. Ganz gleich, wie klein der auch ist und wie wenig Leute das Buch lesen oder überhaupt für gut befinden.

Nein. Ich habe mich bei dem Thema viel zu lange zurückgehalten und versucht, diplomatisch auf beide Seiten einzugehen. Natürlich freut man sich wie Bolle, wenn man irgendwann einen Verlagsvertrag in der Hand hält, und ich betone auch ganz klar, dass es viele Verlagsautoren – gerade im Kleinverlagsbereich – gibt, die etwas von ihrem Handwerk verstehen. Wer sich aber genötigt fühlt, derart gegen vermeintliche Kollegen zu schießen und dabei verbal ausfallend wird, sollte sich vielleicht mal fragen, warum er überhaupt an einem Punkt ist, an dem er das für nötig erachtet.

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