Einen schƶnen Samstagnachmittag euch allen,
da ich mir mittlerweile die Finger wundtippe, um teils sehr unschƶne Mails zu beantworten, mƶchte ich hier eine kurze Stellungnahme zum Thema Amazon abgeben. Es geht mir hierbei explizit nicht um eine politische Stellungnahme.
Manche Leser sind über die jüngsten technischen Entwicklungen bei Amazon erbost, in erster Linie wegen des Wegfalls des Offline-Downloads von Büchern. Andere rufen aus politischen Gründen zum Boykott des Unternehmens auf. Oft kriege ich als Autor den Unmut auf eine eher weniger höfliche Weise ab.
ZunƤchst einmal ābinā ich nicht Amazon. Ich bin auch kein Angestellter von Amazon. Ich befinde mich in keinem āKnebelvertragā- oder āSklavenā-VerhƤltnis zum Unternehmen. Und auch wenn man es kaum glauben kann, befinde ich mich auch nicht in amourƶsen Beziehungen zu Amazon-VorstƤnden und gehƶre auch nicht zum Gefolge des derzeitigen amerikanischen PrƤsidenten. Nein, ich bin auch nicht Mitglied in irgendwelchen Gruppenchats š
Ich bin der Letzte, der irgendwem eine politische Agitation oder einen gepflegten Boykott verbieten will. Was mir aber wichtig ist, ist Folgendes: Amazon ist der einzige Grund, warum Selfpublisher von ihrer Arbeit leben kƶnnen. Amazon bietet meinen Kollegen und mir faire Konditionen und eine funktionale und transparente Vertriebsplattform. Grundlagen, die keine ādeutscheā Alternative bieten kann.
Würde ich mich allein auf Thalia, Hugendubel und Konsorten verlassen, könnte ich nicht länger von meiner Arbeit leben. Vermutlich wäre ich nicht einmal in der Lage, meine Unkosten zu decken. Ganz davon abgesehen, dass die meisten deutschen Marktplätze anders als Amazon nicht einmal versuchen, KI-Bücher aus Fernost zu erkennen und zu verbannen. Ich könnte hier noch viele weitere negative Gründe anführen oder die Diskriminierung von Selfpublishern auf dem deutschen Buchmarkt thematisieren, aber das wäre nicht zielführend.
Ich bin Anschuldigungen leid, deshalb kein Rückgrat zu haben oder einen āeinfachen Wegā gehen zu wollen. Auch bin ich kein āFaschistā, nur weil ich mit Amazon arbeite.
Ich bin allerdings der festen Ćberzeugung, dass ich ein Recht habe, von meiner Arbeit leben zu kƶnnen, so wie auch jeder Schreiner, jeder BƤcker und auch jede andere Berufsgruppe von ihrer Arbeit leben darf. Bislang konnte mir niemand sinnhaft erklƤren, warum ich als Autor erhobenen Hauptes in den wirtschaftlichen Ruin marschieren soll, nur weil irgendwem die Weltpolitik nicht passt. Ich meine, Hand aufs Herz, verlangt das auch jemand von seinem BƤcker, weil der vielleicht eine Knetmaschine aus den USA hat? Oder boykottiert jemand alle mittelstƤndischen Unternehmen im Ort, weil sie Computer von Apple oder Microsoft benutzen?
Ich habe lange und hart gearbeitet, um da zu sein, wo ich heute bin. Ich habe mich durch nicht wenige Jahre gekƤmpft, in denen ich von meinem Schaffen nicht einmal ansatzweise leben konnte. Ich bin Solo-SelbststƤndiger und trage das komplette unternehmerische Risiko meiner Arbeit selbst. Wenn ich krank bin, arbeite ich. Wenn meine Kinder krank sind, arbeite ich nachts. Wenn ich so krank bin, dass ich nicht arbeiten kann, dann arbeite ich danach doppelt so lange. Ich habe kaum Freizeit. Und ganz ehrlich? Ich mache das trotzdem gern. Weil ich das Schreiben liebe. Weil ich es liebe, Geschichten zu erzƤhlen und sie mit euch zu teilen.
Und alle, die mich deshalb für den Totengräber der Demokratie halten, können mich ab sofort gern boykottieren, wie sie lustig sind.